Sich Frauen in Weiheämtern stellen: Früher Diakone, jetzt Priester
von John Wijngaards
In der Diskussion um die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern hat die Weihe der Diakoninnen des ersten Jahrtausends eine neue Rolle eingenommen. Eines der Schlüsselargumente die der Vatikan gegen die Frauenordination ins Feld führt, ist die Behauptung, daß Frauen niemals zu Weiheämtern zugelassen waren. Nun, sie liegen falsch. Frauen empfingen eine gültige „sakramentale“ Weihe zum Diakonat.
Ein Wort zur Terminologie
Einige Menschen lehnen den Gebrauch des Wortes Sakrament hier ab. Sie sagen, daß es ein Anachronismus wäre. In seinem vollständigen technischen Sinn, heben sie hervor, wurde dieser Begriff erst im Mittelalter entwickelt. In der Tat gebrauchten die Christen während des ersten Jahrtausends den Begriff „Sakrament“ nicht wie wir heute. Dennoch existierte die Realität des Sakramentes in der Kirche zu dieser Zeit und kein Theologe würde heute bestreiten, daß Bischöfe, Priester und männliche Diakone tatsächlich die Weihe und somit „das Weihesakrament“ in heutigen Begriffen empfingen.
Das gleiche galt für die byzantinischen Bischöfe, die Diakoninnen weihten. Sie kannten zwar das Wort „Sakrament“ nicht, aber sie verstanden sein Wesen. Der Umstand, daß die Leute zu einer bestimmten Zeit keinen klaren Begriff für ein Objekt oder Ereignis hatten oder es nicht theologisch definierten, so wie wir heute, widerlegt nicht die Realität dieses Objektes oder Ereignisses.
Durch das Ritual des Weiheaktes ist deutlich, daß die Weihe eines Diakones, sowohl Mann wie Frau, ein sehr heiliger und feierlicher Akt war, bei dem der zu weihenden Person die Kraft des Heiligen Geistes für eine heilige Aufgabe verliehen wurde. Hier gibt es klare Beweise für den sakramentalen Stand heiliger Symbole, durch die Christus in seiner Gemeinschaft anwesend ist. Pseudo-Dionysius (ca. 500 n.Ch.) sagt, daß lediglich drei Arten von Führungspersonen zum „Stand der heiligen Diener“ [ταξις των ‘ιερουργων] gehören: Diejenigen die läutern (Diakone), diejenigen die erleuchten (Priester) und diejenigen die vollenden (Bischöfe).
Solche Überlegungen machen deutlich, daß „es sowohl im Westen wie im Osten gleichartige Begriffe von Sakramentalität gab… Es gab eine weithin akzeptierte Theologie, die die Cheirotonia oder Cheirothesia [die Handauflegung] als den Vorgang der die Bevollmächtigung und Gnade des Heiligen Geistes auf die zu weihende Person vermittelte, verstand. Es enthält eindeutig die Substanz des „Sakramentes“, auch wenn das Wort nicht verwendet wird“ (Peter Hünermann). „Ab mindestens 400 n.Ch. Begann eine klare Unterscheidung zwischen höherer und niederer Weihe aufzutreten… Die Weihe wurde in dem Sinn den wir heute Sakrament nennen würden, verstanden“ (A.C. Lochmann).
Mit anderen Worten erkannten die byzantinischen Christen die Diakonsweihe als Sakrament an, genauso wie Taufe, Beichte, Eucharistie und Krankensalbung für sie Sakramente waren, auch wenn sie andere Begriffe benutzten.
Ein Wort zur historischen Realität von Diakoninnen:
Es ist nicht meine Absicht, hier Zeit damit zu vergeuden, die ursprünglichen Diakoninnen detailliert zu beschreiben. Es mag ausreichen, zu sagen, daß sie vor allem in den byzantinischen Gemeinden des östlichen Teiles der katholischen Kirche ab mindestens dem dritten bis ins neunte Jahrhundert dienten. Es gab zehntausende von ihnen. Der Nachweis über sie ist in Grabsteinen, literarischen Berichten und der Verehrung von über 20 heiligen Diakoninnen erhalten.
Darüber und über alles andere in diesem Dokument stehen genaue Details in meinem Buch zur Verfügung: Die geweihten Diakoninnen des ersten Jahrtausends, Canterbury Press 2002. ISBN 1-85311-507-X
Teil Eins. Der Weiheritus für Diakoninnen
In zahlreichen Manuskripten wurde der genaue Ritus durch den Diakoninnen geweiht wurden, für uns überliefert. Ich werde den Text hier wie im Codex Barberini gr. 336 (780 n.Ch.)gefunden, veröffentlichen.
Gebet zur Weihe einer Diakonisse
’ευχη ’επι χειροτονιαι διακονισσης
„Nach der heiligen Kollekte öffneten sich die Türen und, bevor der Diakon mit der Litanei „Alle Heiligen“ beginnt, muss die Frau die zur Diakonin geweiht werden soll, vor den Pontifex gebracht werden. Nachdem er die „Göttliche Gnade“ mit lauter Stimme gesagt hat, beugt die zu weihende Frau ihr Haupt. Er legt die Hände auf ihre Stirn auf und macht darauf dreimal das Kreuzzeichen und betet:
„Heiliger und allmächtiger Gott, durch die Geburt deines einzigen Sohnes, unseres Gottes, von einer Jungfrau gemäß dem Fleisch, hast du das weibliche Geschlecht geheiligt. Du gewährst nicht nur Männern sondern auch Frauen die Gnade und das Kommen des Heiligen Geistes. Bitte, Herr, schau auf diese deine junge Dienerin und widme sie der Aufgabe deines Diakonates [της διακονιας] und gieße in sie die reiche und überfließende Gabe deines Heiligen Geistes. Bewahre sie, so daß sie immer ihren Dienst [λειτουργιαν] mit rechtem Glauben und untadeligem Betragen leisten mag, gemäß dem was dir gefällt. Denn dir ist alle Herrlichkeit und Ehre.
Nach dem „Amen“ beginnt nun einer der Diakone dieses Gebet: ‘Lasst uns den Herrn in Frieden anflehen. Für Frieden von oben, lasst uns zum Herrn beten. Für Frieden in der ganzen Welt. Für diesen unseren Erzbischof, für seinen priesterlichen Dienst, seinen Lohn, seine Ausdauer, seinen Frieden und sein Heil und die Arbeit seiner Hände, lasst uns zum Herrn beten. Für [Name der Frau] die das Diakonat empfangen soll und für ihr Heil. Daß Gott, der die Menschen liebt, ihr ein reines und unbeflecktes Diakonat gewährt, lasst uns zum Herrn beten. Für unseren frommen Kaiser der von Gott geschützt wird, ect. Ect.’
Während der Diakon diese Fürbitten hält, betet der Erzbischof, noch immer der zu weihenden Person die Hand auflegend, wie folgt:
‘Herr, Meister, du weist Frauen die sich dir verschrieben haben und auf eine werdende Art Willens sind, deinem heiligen Haus zu dienen, nicht zurück, sondern lässt sie in den Stand deiner Diener ein [λειτουργων]. Gewähre das Geschenk deines Heiligen Geistes auch dieser deiner jungen Dienerin, die sich dir verschreiben will, und erfülle in ihr die Gnade des Diakonates [διακονιας], so wie du Phoebe die Gnade deines Diakonates [διακονιας] gewährt hast, die du in das Werk des Dienstes gerufen hast [λειτουργιας]. Gib ihr, daß sie ohne Schuld in deinem Heiligen Tempel ausharren möge, daß sie sorgfältig ihr Verhalten bewachen möge, insbesondere Bescheidenheit und Enthaltsamkeit. Mache sie außerdem vollkommen, so daß sie, wenn sie vor dem Richterstuhl deines Christus’ steht, sie die wertvolle Frucht ihres ausgezeichneten Verhaltens durch die Barmherzigkeit und Menschlichkeit deines einzigen Sohnes erhalten wird.
Nach dem ‘Amen’ legt er die Stola des Diakonates [το διακονικον ‘ωραριον] um ihren Hals, unter ihren Schleier, und richtet die beiden Enden der Stola nach vorne.
Wenn die neu zu weihende am heiligen Leib und kostbaren Blut teilgenommen hat, händigt ihr der Erzbischof den Kelch aus. Sie nimmt ihn an und stellt ihn auf den heiligen Tisch.
TEIL ZWEI. Die frühen Diakoninnen erhielten eine echte „sakramentale“ Weihe
Erhielten Diakoninnen das Weihesakrament?
Wesentlich ist, ob der damalige Bischof den Frauen eine volle Weihe gewähren wollte. Jetzt gibt es keine Methode, diese Absicht festzustellen, außer durch das Studieren dessen was der Bischof sagte und tat als er die Weihe durchführte. Die Tatsache daß Frauen durch eine „Handauflegung“ [χειροτονια] geweiht wurden, war maßgeblich. Allerdings beweist das an sich noch nicht den sakramentalen Charakter der Zeremonie, da diese Geste während des ersten Jahrhunderts auch für die Verleihung von niederen Weihen benutzt wurde.
Um zu bestimmen ob eine Weihe ein Sakrament war oder nicht, hängt entscheidend von der verwendeten Form ab, welche lautet: Was die Bischöfe sagten daß sie zu tun beabsichtigten und die zusätzlichen Zeremonien die halfen, die exakte Natur der Substanz zu definieren, und zwar ob die Hände für eine volle Weihe aufgelegt wurden. Daraus können wir die objektive Absicht des Ritusses bestimmen.
1. Der örtliche Rahmen der Weihe
Es ist wesentlich, daß Diakoninnen im Heiligtum geweiht wurden, vor dem Altar und mitten in der Feier der Eucharistie. Die Bedeutung dessen war nicht nur, auf den Zutritt zum Altar hinzuweisen, sondern auch, die Weihe als eine der „höheren Weihen“ zu kennzeichnen um sie von niederen Diensten wie Subdiakonat oder Lektorat zu unterscheiden. Theodor von Mopsuestia (350-429) erläutert die klassische Unterscheidung. Er definiert das Diakonat als „Dienst an heiligen Dingen“, was sicherlich auch die Taufe beinhaltete.
Es ist der Erwähnung wert, daß wir nicht von der Tatsache, daß er [Paulus] hier keine Subdiakone oder Lektoren erwähnt, überrascht sein sollten. Diese [Funktionen] sind nämlich eigentlich außerhalb der Ränge des echten Dienstes in der Kirche. Sie wurden später durch die Notwendigkeit vieler Dinge die von anderen zum Wohl der Masse der Gläubigen getan werden mussten, geschaffen. Deswegen ist es vom Gesetz her nicht erlaubt, daß sie die Weihe vor dem Altar empfangen, da sie diesem Geheimnis nicht dienen. Da die Lektoren die Lesungen betreuen und die Subdiakone in der Sakristei das was zum Dienst der Diakone nötig ist vorbereiten und nach den Lichtern in der Kirche sehen. Allerdings verrichten lediglich die Priester und Diakone den Dienst des Geheimnisses: Erstere, indem sie ihre priesterliche Rolle erfüllen, letztere, indem sie heiligen Dingen dienen.
Der ortho und doxe Liturgiker Simeon von Thessaloniki bestätigt in seinem klassischen Werk zur Weihe, zwischen 1418 und 1429 geschrieben:
Zwei Weihen werden außerhalb des Heiligtums gegeben, die des Vorlesers und die des Subdiakons. Es gibt auch weitere für Verwalter, Stellvertreter, Akolyten… Aber gehobene Weihen werden innerhalb des Heiligtums verliehen.
Die Weihe von Diakoninnen im Heiligtum „direkt im Herzen der Göttlichen Liturgie“ ordnet sie in die Ränge der höheren Geistlichkeit ein (Evangelos Theodorou, orthodoxer Experte für Diakoninnen).
2. Der öffentliche Charakter der Weihe
Diakoninnen wurden vor der gesamten Gemeinde und „in Anwesenheit der Priester, Diakone und Diakonissen“ geweiht (Apostolische Konstitutionen, 380 n.Ch.). Dies wird ebenfalls deutlich durch den standardmäßigen byzantinischen Weiheritus der die andere Geistlichkeit erwähnt.
Dieser „öffentliche“ Charakter der Zeremonie ordnet die Weihe als eine der höheren Weihen ein. Eine Studie der Prozedur antiker Weihen zeigt, daß die öffentliche Wahl des neuen Dieners zur Weihe an sich gehörte. St. Jerome (347-419) beispielsweise verzeichnet in einem seiner Briefe:
In Alexandria von Markus dem Evangelisten bis zu den Bischöfen Heraclas und Dionysius setzten die Priester einen der ihren als ihren Bischof ein, nachdem sie ihn gewählt und inthronisiert hatten, wie es Soldaten tun wenn sie ihren Kaiser ausrufen, oder die Bischöfe, die einen der ihren aufgrund seines Eifers zum Erzdiakon wählen.
Manchmal, wie in diesem Beispiel, scheint es keine Handauflegung gegeben zu haben. Normalerweise folgte die Handauflegung mit der Anrufung des Heiligen Geistes der Wahl. Die Sache ist die, daß der ekklesiale Kontext der Weihe, ausgedrückt in der üblichen Weihe und der öffentlichen Anerkennung durch die Gemeinde, entscheidend bei höheren Weihen war. Private Weihen, außerhalb der Gemeinde, waren ipso facto ungültig. Der öffentliche Rahmen der Diakoninnenweihe bestätigt ihren Status als eine höhere Weihe.
3. Die Verkündung der „Göttlichen Gnade“
Wir lesen folgende Rubrik im Weiheritus für Diakoninnen: „Der Bischof sagt die „Göttliche Gnade“ mit lauter Stimme. Diese Verkündung wurde nur für die höheren Weihen durchgeführt.
Wir können aus verschiedenen Gründen sicher sein, daß die „Göttliche Gnade“ die gleiche im Fall von Diakoninnen und männlichen Diakonen war. Diese Rubriken sagen, daß alles für männliche oder weibliche Diakone gleich ist, außer wo es angegeben ist. Falls die Verkündung der Göttlichen Gnade für Frauen anderst gewesen wäre, wäre es mit Sicherheit erwähnt worden. Außerdem hatte die klassiche Verkündung der „Göttlichen Gnade“ eine sehr strikte Form mit nur drei variablen Elementen. Dies ist der eigentliche Text:
Göttliche Gnade, die stets heilt was kraftlos ist und vervollständigt was fehlt, erwählt [Name einfügen] zum Bischof [oder Priester, Diakon] von [Ortsname]. Lasst uns daher für ihn/sie beten, daß die Gnade des Heiligen Geistes auf ihn/sie herabkommen möge.
Die Forschung hat gezeigt, daß diese byzantinische Form tatsächlich sehr alt ist, bis mindestens zurück zum 3. Jahrhundert. Sie wurde als charakteristische Form der christlichen Weihe betrachtet.
Der weihende Bischof spricht die Verkündung mit lauter Stimme. Dieses Geheimnis kennzeichnet, daß der Durchführer der Weihe, der von Gott geliebt wird, der Bote der göttlichen Gnade ist. Es ist nicht er selbst der die zu weihende Person durch seine eigene Gnade weiht, sondern er wird in allen Weihen von Gott bewegt (Pseudo-Dionysius, ca. 500 n.Ch.)
[Ich strebte nie nach der Priesterschaft], umso mehr, als viele dieser Weihen durch menschlichen Ehrgeiz geschehen, nicht wirklich durch göttliche Gnade (St. Johannes Chrysostomos, 344-407).
[Zur regelwidrigen Wahl eines Bischofs.] Ich möchte fast glauben, daß politische Authoritäten geweihter sind als unsere, über die man die „Göttliche Gnade“ verkündet (St. Gregor von Nazianze 330-389).
Der große Liturgiker Bernard Botte dachte, daß die Verkündung selbst die Weihe war, zumindest im Original. Aber spätere Forschungen widerlegten dieses. Die Weihe bestand aus zwei verschiedenen Stufen ein und derselben liturgischen Handlung, beide gleichermaßen notwendig: Die Wahl und die Weiheordnung. Die Wahl zeigte an, wer für den Dienst ausgewählt war. Sie verkündete Gottes Wahl des Kandidaten. Sie offenbarte die Absicht des Heiligen Geistes. Die Handauflegung war das
Sakrament durch das der Geist tatsächlich auf die zu weihende Person herabkam. Die Verkündung der „Göttlichen Gnade“ war daher der öffentliche Wahlvorgang der einen Kandidaten zu einem speziellen Dienst in einer bestimmten Kirche nominierte. 398 drängte Kaiser Arcadius die Bischöfe, „die Göttliche Gnade Johannes [Chrysostomos] zu gewähren, um ihn zum Bischof von Konstantinopel zu weihen“.
Bei Weihen, speziell bei byzantinischen Weihen, wurde die „Göttliche Gnade“ nur für Bischöfe, Priester und Diakone verkündet. Die Tatsache, daß der weihende Bischof die „Göttliche Gnade“ verkündete, um die göttliche Wahl einer Diakonin anzukündigen, zeigt, daß er ihre Weihe, ohne einen Schatten des Zweifels, innerhalb des Weihesakramentes, wie das der männlichen Diakone, einordnete.
4. Das Herabrufen des Heiligen Geistes
Die zentrale Weihehandlung ist das Herabrufen des Heiligen Geistes auf die zu weihende Person während der Bischof ihr die Hände auflegt.
Schau nun auf deine Dienerin die zum Diakonat [εις διακονιαν] geweiht werden soll [προχειριζομενην] und gewähre ihr deinen Heiligen Geist.
Widme sie der Aufgabe deines Diakonates [της διακονιας] und gieße in sie die reiche und überfließende Gabe deines Heiligen Geistes.
Gwähre das Geschenk deines Heiligen Geistes auch dieser deiner jungen Dienerin die sich dir widmen will und erfülle in ihr die Gnade des Diakonates [διακονιας], wie du Phoebe die Gnade deines Diakonates [διακονιας] gewährt hast.
In der östlichen Tradition ist das Herabrufen des Heiligen Geistes technisch als die Epiclesis bekannt. Während der göttlichen Liturgie sind es nicht so sehr die „Worte der Konsekration“ sondern die Epiclesis die die Transformierung von Brot und Wein hervorruft. Die Epiclesis, auf die eine oder andere Art, erscheint in allen Sakramenten, da die Sakramente durch die Handlungen des Geistes geschehen. Jede Epiclesis bedeutet eine Zeichnung des Geistes die Christus für uns an Pfingsten erhielt. Die Kirche bittet darum, hier und jetzt von Gott zu empfangen, was sie bereits historisch in Christus als Versprechen erhalten hat. Dies gilt auch für die Dienste. Der Geist von Pfingsten, „der alle Dinge bereitstellt“, gießt seine Fülle in den Bischof, den Priester und den Diakon.
Als Handlung des Geistes in der Kirche findet die vollständige Epiclesis immer im Kontext der versammelten Kirchengemeinde statt. Die Epiclesis der Weihe präzisiert auch den Dienst für den der Geist vermittelt wird: Wie im Fall der Diakonin die den Geist empfängt in Hinblick auf das Diakonat. Auch wenn in den Einsetzungsgebeten einiger niederer Weihen die Gaben des Geistes indirekt erwähnt werden, wird die volle Epiclesis nur auf Bischöfe, Priester und Diakone herabgerufen.
5. Das zweite Weihegebet
Daß es zwei Weihegebete für eine Diakonin gibt, ist ein weiterer Hinweis darauf, daß eine höhere Weihe verliehen wurde.
Das zweite Weihegebet, als die Ekphonese bekannt, weil der Bischof es leise sprach, war eine spätere Entwicklung in den höheren Weihen, möglicherweise im 4. Jahrhundert beginnend. Es könnte von dem Bedürfnis des weihenden Bischofs, sicherzustellen daß die Bedingungen für die Weihe erfüllt worden sind, inspiriert worden sein. Es könnte auch die typisch östliche Eigenschaft von aus religiöser „Furcht und Scheu“ leise gesprochenen Gebeten zeigen, wie wir sie während der Eucharistie finden.
Dadurch daß er das Gebet der Ekphonese über den weiblichen Kandidaten sprach, kennzeichnete er sie wiederholt als in das volle Sakrament des Diakonates erhoben.
Zu den Inhalten des zweiten Weihegebetes, sowohl für Männer wie für Frauen, war das wesentliche gleich. Der Mann empfängt den Heiligen Geist „für den Dienst des Diakones“, die Frau „für die Gnade des Diakonates [διακονιας], wie du Phoebe die Gnade deines Diakonates [διακονιας] gewährt hast, welche du zur Arbeit des Dienstes [λειτουργιας] gerufen hast.“ Könnte der weihende Bischof deutlicher sein? Die Frau ist sogar ausdrücklicher, kräftiger, bewusster und definitiver zum Diakonat geweiht als der Mann!
6. Parallelität in allem wesentlichen mit der Weihe männlicher Diakone
Die Weihe von Männern zum Diakonat läuft in allem wesentlichen parallel zu dem der Frauen. Die wichtigsten Unterschiede sind die der geschlechtlichen Schicklichkeit (der Mann kniet, die Frau beugt ihr Haupt) und männlich/weibliche Anpassungen in den Gebeten (Phoebe ist das Beispiel für Frauen, Stephanus das für die Männer). Der männliche Diakon ist gemacht, um die Gaben mit dem Rhidipion „auszubreiten“ (da er am Altar dienen sollte) und die Kommunion auszuteilen. Die meisten Wissenschaftler denken, daß diese enge Parallele zwischen den beiden Weiheriten ein starkes Argument dafür ist, zu akzeptieren, das Frauendiakonat ebenso ein Sakrament wie das Diakonat der Männer war. „Es kann nicht geleugnet werden, daß der Weiheritus weibliche und männliche Diakone auch exakt die gleiche Ebene stellt.“
Dies ist ebenfalls die geprüfte Meinung des orthodoxen Wissenschaftlers Kallistos Ware. Er schrieb klassische Bücher wie „Die orthodoxe Kirche“ und „Der orthodoxe Weg“. Er wirkte am Schreiben und an der Übersetzung ins Englische von einer Anzahl wichtiger orthodoxer liturgischer und spiritueller Texte, einschließlich einer mehrbändigen Ausgabe der orthodoxen klassischen Sammlung von spirituellen Schreiben, „Die Philokalia“, mit. Seit 1966 hatte er den Spalding-Lehrstuhl für ostorthodoxe Studien in Oxford, wo er 1970 Fellow des Pembroke-Colleges, Oxford, wurde. 1982 wurde er zum Titularbischof von Diokleia geweiht und zum Weihbischof des orthodoxen Erzbistums von Thyateira und Großbritannien unter dem ökumenischen Patriarchat geweiht. Bischof Kallistos beurteilt Diakoninnen als wirklich geweiht gewesen.
„Der Stand der Diakonisse scheint eindeutig als ‘geweihter’ Dienst während der frühen Jahrhunderte jedenfalls im christlichen Osten betrachtet worden zu sein… Einige orthodoxe Authoren betrachten die Diakonisse als „Laien“dienst. Es gibt starke Argumente, diese Sichtweise zurückzuweisen. Im byzantinischen Ritus ist die liturgische Funktion des Handauflegens für die Diakonisse exakt parallel zu der des Diakons; und weiter folgt im grundlegenden lex orandi, lex credendi – die Verehrungspraxis der Kirche ist ein sicheres Anzeichen für ihren Glauben – daß die Diakonisse, wie es der Diakon tut, eine echte sakramentale Weihe empfängt: Nicht einfach eine χειροθεσια sondern eine χειροτονια“. Niemand leugnet, daß die Weihe männlicher Diakone während des ersten Jahrhunderts ein echtes Sakrament war. Das gleiche gilt für Diakoninnen.
Schlussfolgerung
Der ganze Symbolismus der die Verleihung der Weihe an Frauen umgibt, kennzeichnet sie als wirkliches Sakrament:
1.***Ihr Stattfinden im Herzen des Heiligtums
2.***Die Gegenwart von Geistlichkeit und Gläubigen
3.***Die Verkündung der göttlichen Wahl durch die heilige Formel der „Göttlichen Gnade“
4.***Die Epiclesis des Heiligen Geistes auf die zu weihende Person
5.***Zusätzlich zum zweiten das Ekphonese-Weihegebet
Durch dieses Symbolismus bezeugte der weihende Bischof sowohl der zu weihenden Person wie auch der versammelten Gemeinde seine unmissverständliche Absicht, der Frau eine volle sakramentale Diakonatsweihe zu verleihen.
Wenn das kein volles Sakrament war, war es auch nicht die Weihe der Bischöfe, Priester und männlicher Diakone.
Teil drei. Wenn Frauen damals Diakone sein konnten, können sie heute Priester sein.
Das wahre Thema das hinter dieser scheinbar stumpfsinnigen Debatte auf dem Spiel steht ist eine Frage die die katholische Kirche unserer Zeit erschüttert: „Können Frauen geweihte Priester sein?“ Trotz der ziemlich rechtmäßigen Unterscheidung zwischen Diakonat und Priesteramt als getrennte Dienste sind die Diakoninnen der Vergangenheit untrennbar verbunden mit einer größeren Anfrage bezüglich höherer Weihen an sich. Denn falls das Frauendiakonat ein echtes Diakonat war, wenn es eine gültige Form des Sakramentes der höheren Weihen war, dann empfingen Frauen tatsächlich höhere Weihen und auch das Priesteramt ist für sie offen.
Jetzt ist es wahr, daß manche Theologen das Diakonat als Dienst der für sich steht betrachten, so daß jeder Einwand zum Weihen von Frauen zum Priestertum nicht dafür gelten würde, daß sie zum Diakonat geweiht wurden. Sie liegen absolut richtig in dem Sinn, daß das Diakonat ein getrennter Dienst ist und als solcher in der Ostkirche betrachtet wurde. So wurde es auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil reaktiviert. Außerdem, während die drei höheren Weihen im Mittelalter im Priesteramt vereinigt waren, mit dem Fokus auf eucharistischen Opferdienst am Altar, hat das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) diese Ansicht eindeutig abgelehnt. Diakone werden „nicht zum Priesterdienst [sacerdotium] sondern zum dienenden Dienst [servitium]“ geweiht.
Aus diesen Gründen verfechten manche Theologen, daß es für die Kirche vollkommen möglich wäre, die beiden Dienste so zu trennen, daß Frauen das Sakrament des Diakonates bekommen könnten, obwohl das Priesteramt für sie ausgeschlossen wäre. Dies ist beispielsweise die Meinung des orthodoxen Bischofs Kallistos Ware und der katholischen Theologin Phyllis Zagano. Ich glaube daß sie sich irren. Eine echte und wichtige Unterscheidung zwischen den drei Diensten zerstört nicht ihre sakramentale Einheit.
Das 2. Vatikanum spricht von einem „göttlich eingerichteten Dienst welcher auf verschiedenen Ebenen von denjenigen die seit der Antike Bischöfe, Priester und Diakone genannt werden, ausgeübt wird.“ Es bestätigt somit die Einheit des Sakramentes die schon vom Konzil von Trient verkündet wurde. Am 5. Juli 1563 hatte dieses Konzil erklärt, daß „die heilige Weihe eines der sieben Sakramente der Kirche ist“ und daß „in der katholischen Kirche eine Hierarchie die durch die göttliche Weihe eingesetzt wird, bestehend aus Bischöfen, Priestern und Diakonen existiert“. Die Konsequenz lautet, daß das Konzil von Trient alle drei höheren Weihen, einschließlich des Diakonates, als vollständig sakramental betrachtete, ohne ihre inneren Verbindungen vollständig aufzulösen.
Das 2. Vatikanum betrachtet Jesus Christus als den hauptsächlichen einigenden Faktor für das Sakrament. Er ist der Gründer, der Ursprung, die Quelle, die Hauptinspiration aus der die Vielzahl der Dienste stammt. Bischöfe, Priester und Diakone nehmen alle in verschiedenen Stufen an Christi Erlösungswerk teil, welches er im einen Weihesakrament fortsetzt.
Theologen diskutieren diese Einheit detaillierter. Peter Hünermann zum Beispiel gibt der Einheit eine trinitarische Dimension. „Die Einheit dieser drei verschiedenen Dienste liegt in ihre ursprünglichen Quelle: Der Gnade von Gott dem Vater, der Barmherzigkeit des eingeborenen Sohnes und der Güte des Heiligen Geistes. Ihre Einheit liegt auch im gemeinsamen, letztendlichen Zweck: Rettung von Menschen.“ Christoph Böttigheimer sieht den Bischof als „das Verbindungsstück, den Schwerpunkt des Dienstes“. Die Theologie wird zweifelsohne ihre Konzepte im Rahmen der neuen Impulse die vom 2. Vatikanum empfangen wurden, weiterentwickeln.
Allerdings reicht für unsere Zwecke die Einheit des Sakramentes festzustellen. Während das Konzil von Trient etwas schwammig zur Sakramentalität des Diakonates stand, wurde diese deutlich vom 2. Vatikanum, welches deutlich aussagte daß Diakone geweiht sind und durch die Gnade des Sakramentes gestärkt werden. Diese Einheit des Sakramentes betrifft direkt die Frage von Frauen in den Diensten. Da Frauen in der Vergangenheit das Sakrament des Diakonates empfangen haben, sind sie offensichtlich fähig, das Weihesakrament an sich zu empfangen, also: Auch das Priesteramt und das Bischofsamt.
Dies ist die Meinung des dogmatischen Theologen Hans Jorissen: „Die Möglichkeit, daß Frauen das sakramentale Diakonat bekommen steht und fällt mit der Möglichkeit, daß Frauen das Priesteramt bekommen.“ Seine Sicht wird vom Theologen Dirk Ansorge geteilt: „Wenn Frauen geweihte Diakone sind, wird die Einheit des Weihesakramentes ihren Zugang zum sakramentalen Priesteramt verlangen.“ Der kanonische Anwalt Charles Wilson drückte es folgendermaßen aus: „Wenn die Kirche Frauen zur Diakonatsweihe zulässt, scheint es mir, daß diese Handlung die erhebliche Herausforderung verursacht, die schwierige geistige Gymnastik auszuüben, die daran beteiligt ist, festzustellen daß Frauen gültig zu einem Weihegrad zugelassen werden können, während man gleichzeitig die endgültige Lehre der Kirche, daß sie zu anderen nicht zugelassen werden können, bekräftigt.“
Nun, die Kirche verlieh ein volles sakramentales Diakonat zehntausenden Frauen während des ersten Jahrtausends seiner Existenz. Wenn sie damals Frauen weihen konnte, kann sie, und sollte sie, es heute tun.
